Weil Stillen nicht immer Meditation bedeutet…

„Ein Baby braucht nur Muttermilch und seine Eltern!“ – okay das ist ein wahnsinnig schöner Satz, aber dass der nicht ganz stimmen kann, wurde mir spätestens nach den ersten Wochen der Stillzeit klar. Irgendwann lässt die Energie nach, die Waschmaschine rauscht vor sich hin, das Schleudern des Trockners brummt durch die Wände. Stillen ist wundervoll und natürlich hatte auch ich diese einprägenden Momente in welchen ich auf dieses wundervolle, kleine, zarte Wesen, dass zufrieden an meinem Nippel sog, starrte und dachte: „Wir Frauen, wir sind Maschinen, dieses Menschlein ernährt sich nur durch meine Brust. Man, ist das genial!“ Aber schnell kamen auch diese anderen Gedanken, „Was, wenn meine Milch nicht ausreicht?„, „Was wenn ich etwas esse was er nicht verträgt?„, unser kleiner Zwerg war von Anfang an sehr aktiv, was für mich vor allen wenig Schlaf und strapazierte Nerven bedeutete. „Der wird nicht satt!“ War mein erster Gedanke und schnell zog das gelbe, laute Ungeheuer bei uns ein. Eine Milchpumpe – Leihgabe von der Apotheke. Und nun waren sie da, diese grausamen Monate des Stillens. Für mich tatsächlich keine Erfüllung. Erst recht keine Meditation – wie es so viele stillende Mütter beschrieben.

Die gelbe Bestie und wir: Pumpstillen

Ich war abhängig von dieser gelben Bestie – musste pumpen um den Milchfluss anzukurbeln, um sicher zu gehen, dass da genug Milch raus kommt. Um Konsistenz und  Menge zu prüfen. Akribisch wurden die Milliliter notiert, mit der Hebamme beratschlagt – eifrig weitergemacht. Mit der Pumpe ihr zogen Unzufriedenheit, Selbstzweifel und Frust bei uns ein. Schnell waren wir beim „Pumpstillen“ angekommen, ich redete mir ein, dass ich damit ein Stück Unabhängigkeit zurück bekäme – in Wirklichkeit wollte Neon einfach nur noch von der Flasche trinken.

„Saugverwirrung“ nennt man das, oder einfach aus Bequemlichkeit, weil aus der Flasche schneller und konstant Muttermilch in seinen hungrigen Mund floss. „Aber Muttermilch und Stillen ist doch das beste für Babys!“ protestierte ich immer wieder. Ich wachte im 2-Stunden-Takt auf (das gleiche bei Tag), stillte Neons Hunger mit der abgepumpten Milch, schaukelte ihn in den Schlaf und setzte mich anschließend wieder an die Pumpe. Nach 20 Minuten dann eine Stunde Ruhen (von Schlaf kann nicht immer die Rede sein, ich bin kein Roboter der auf Knopfdruck schlafen kann, auch wenn ich hundemüde bin, geistern mir gerade dann Ungeheuer durch den Kopf, man will ja alles „perfekt machen). Die Erlösung kam dann nach knapp vier Monaten, als ich mir endlich eingestand, dass „Flaschenkinder“ auch „was werden“, ich selbst auch eins war und es die verschiedensten Gründe gibt, warum es mit dem Stillen nicht klappt und sich Mütter auf der ganzen Welt für PRE-Nahrung entscheiden. Als ich mein schlechtes Gewissen endlich überwunden hatte wurde alles wieder etwas entspannter, genug Milch, etwas mehr Schlaf und die Gewissheit, dass dieser kleine Mensch satt wird, auch wenn mein Körper mal nicht so „funktioniert“ wie er es sollte. Daher ein kleiner Aufruf an all meine Schwangeren Leserinnen: Stillen ist schön und gut, aber ihr solltet euch die ersten Monate mit Baby nicht zur Hölle machen, seht es entspannt, denn eine glückliche, entspannte Mama, ist besser wie eine verzweifelte, gestresste Mama die stillt. Genießt diese ersten Monate gemeinsam, „choose happy“, ganz egal für welches „Ernährungsmodell“ ihr euch entscheidet.

Kleine Helferlein für’s Stillen

Stilleinlagen, Stillnachthemden, Brustwarzensalben (das ist die einzige die mir wirklich nachhaltig geholfen hat), Fencheltee, Milchpumpen, Stillhütchen, Mulltücher…es gibt so vieles aber was braucht man wirklich? Um ehrlich zu sein war ich diese „Sauerei“ und dieses ständige BH-tragen schon nach wenigen Wochen satt.  Milcheinschuss bedeutet durchnässte Shirts, Stilleinlagen dagegen fand ich super lästig, ganz abgesehen vom Müll die die hinterlassen. Also musste eine Alternative her, denn mit BH schlafen ist auch überhaupt nicht meins:

Freiheit für eure (Still-)Brüste: Silikon-Nippel-Pads! Ich bin dankbar für diese Erfindung. Sie sind natürlich abwaschbar, halten von selbst und macht euch ein Leben ohne BH und Watte-Einlagen möglich. Hier findet ihr sie auf Amazon.

Mulltücher: Natürlich für’s Bäuerchen danach, aber auch für ein bisschen „Privatsphäre“ beim Stillen in der Öffentlichkeit. Ich empfehle die großen Tücher, zum Beispiel von aden + anais.

Handpumpe: Natürlich dürfen auch stillende Frauen mal wieder einen Termin oder ein Kinodate mit der Besten wahrnehmen. Jetzt ist Papa mal für ein paar Stunden dran. Also heißt das: Abpumpen! Vor dem Ausgehen, oder auch während ;) hilfreich sind dafür kleine Handpumpen, die auch super in die Handtasche passen und keinen Strom benötigen. Achtung: Nach einigen Wochen (und Spülmaschinengängen) hat meine das Quietschen angefangen ;). Meine Wahl: Handpumpe von Philips Avent

Flaschenkind? So geht’s!

Super, unterwegs sein und immer genug Nahrung für das Kleine parat haben. Zu jeder Zeit und an jedem Ort. Gestillt haben wir im Stau, auf Parkbänken, bei Oma. Aber so kompliziert ist das mit der Flasche dann doch nicht. Milchpulver, kleine Thermoskanne, kleine Volvic in den Rucksack und am dafür. Die Mischung hat man nach ein paar Fläschchen im Handumdrehen raus: 1/4 abgekochtes, heißes Wasser aus der Thermo, ordentlich shaken, 3/4 frisches Volvic dazu = die perfekte Trinktemperatur irgendwo zwischen 37 und 40 Grad. Und nein, einen Thermostat für Fläschchen braucht ihr nicht – wenigstens hierbei vertraue ich meinem Körper – und der empfindlichen Prüfstelle am Handballen noch ;)

In meinem nächsten Artikel verrate ich euch dann, was wir, neben der Miet-Pumpe, etliche Tafeln Schokolade und reichlich Nerven in den ersten Monaten mit Baby wirklich gebraucht haben. Ich freue mich auf eure Erfahrung und auf eure ehrliche Meinung.

4 Comments

  • Da habt Ihr bzw. Du aber noch lange durchgehalten! Mich hat das Ganz so gestresst, dass ich bereits nach drei bzw. vier Wochen aufgegeben habe. Im Krankenhaus hat das Stillen erstmal gut geklappt, allerdings hat man mir auch ständig reingequatscht und uns nicht die Ruhe gegeben uns zu finden. Außerdem wurde direkt zugefüttert, erst Pre, später abgepumpte Milch. Zuhause sollte es dann laut Hebamme aber direkt so gehen und ich nicht weiter abpumpen. Jeden Abend hat die Maus geschrien und wollte trinken. Nach einer Woche waren wir so fertig, dass wir ihr eine Flasche gemacht haben. Und es war Ruhe. Am nächsten Tag das Gleiche. Da ich zusätzlich eine entzündete Brustwarze hatte, konnte ich auf der Seite nur mit Hütchen stillen. An einem Tag hat die Maus dies komplett verweigert. Also gab es auch am Tag eine Flasche – und einen Besuch der Hebamme. Unser Baby hatte nicht weiter zugenommen und wurde wirklich nicht satt.

    Ab da haben ich wieder abgepumpt und abwechselnd Pre und abgepumpte Milch gefüttert. Schnell ließen aber Milchmenge und -qualität nach. Und somit bekam die Maus mit etwa vier Wochen nur noch Pre. Und was soll ich sagen: mir geht es damit gut. Keine schmerzenden Brüste oder nasse Flecken. Die Stilleinlagen sind das letzte, ständig kleben die überall, nur nicht da wo sie sollen. Ich war froh, dass mir meine normalen BHs wieder passten und ich auf dem Bauch schlafen konnte. Und ich habe Bestätigung durch meine Hebamme bekommen. Das war echt wichtig.

    • mia mia sagt:

      Hey liebe Frau Schröder
      Danke für deine Worte – und du hast so recht: Ab und zu Bestätigung, dass das, was man „Mutterinstinkt“ nennt, wirklich richtig ist, braucht jede Mama. Vor allem ganz am Anfang, wenn die Unsicherheit noch so groß und das Baby so mini-klein ist! Ich wünsche euch alles Liebe! Mia

  • JKB sagt:

    Hmm ich finde alles hat seine Vor- und Nachteile.

    Bei mir war es auch so, dass der Kleine am Anfang nicht satt wurde. Die Stillberaterin war strikt gegen Zufüttern, da sie meinte, das wird so nix mit stillen. Aber ich habe meinen Baby immer erst die Brust gegeben. Wenn das nicht gereicht hat, hat Papa die vorher abgepumpte Milch gegeben, und wenn der Kleine dann noch immer was wollte, gab es Pre-Milch.
    So wurde meine Milchproduktion immer besser und nach ca. 4 Wochen ging es ohne jedes Zufüttern.

    Ich denke, entscheidend war, immer erst die Brust zu geben und alles andere als Ergänzung zu sehen. Ich hatte dadurch gar keinen Stress, das Baby eventuell nicht satt zu kriegen, denn zufüttern kann man immer! Ich war also entspannt (sehr wichtig!).

    Meine Brustwarzen waren in der ersten Woche auch wund, aber mit einer Salbe ging das schnell vorbei.

    Und auch ich hatte dann für 12 Wochen eine Milchpumpe direkt aus dem Krankenhaus mit zu Hause, und fand das sehr praktisch! 1-2 mal täglich habe ich abgepumpt, auf beiden Seiten gleichzeitig, ca. 10 Minuten. Jetzt nach den 12 Wochen habe ich auch nur noch eine Handpumpe, das reicht für kleine Mengen völlig aus.

    So, nach meiner Kurzgeschichte jetzt der Kommentar:
    Man sollte nicht die Milchpumpe verteufeln, ich finde, sie ist wirklich eine tolle Erfindung, die dem Papa die Gelegenheit gibt, auch beim Füttern mitzumachen. Und ja, es ist toll, ohne Baby zur Rückbildungsgymnastik zu gehen, weil das Baby nicht ständig an der Brust hängen muss!
    Wenn es mit dem Stillen nicht klappt, hat das andere Gründe als die Pumpe.

    Zweitens: Warum haben viele Frauen so unglaubliche Erwartungen an die Zeit mit Baby und ans Stillen insbesondere? Den Stress machen sich doch wirklich die Frauen selbst – nachts wach zu liegen und darüber nachzudenken, wie man alles perfekt machen kann? Ganz ehrlich, was soll das? Bitte, liebe Mütter, stärkt euer Selbstvertrauen! Ihr macht das schon! Nehmt euch Zeit für alles, hört auf euer Bauchgefühl.
    Babys füttern ist etwas völlig normales, ob nun stillen oder mit Fläschchen. Weder ist es schlimm, noch mit ekstatischer Euphorie verbunden.

  • mia mia sagt:

    Hi JBK,

    danke für deine Worte und ja, natürlich hat das alles Vor- und Nachteile, ich war ja auch heil froh dass es sowas wie die Milchpumpe gibt und sich die Produktion meiner eigenen Muttermilch dadurch ankurbeln ließ, aber wenn ein Baby alle Stunde an die Brust möchte, man noch mit den Wehwehchen der Geburt kämpft, unsicher und abgeschlagen ist und hormonell und aus Liebe einfach oft zweifelt und alles gut machen möchte, zusätzlich dann auch noch ein bisschen arbeiten will / muss (selbstständig / eigenes Unternehmen, keine reine Mamazeit), dann kann diese Zeit schon echt hart sein und ich finde es wichtig und schön anderen Mamas zu zeigen, dass nicht alles nur aus sanftem Babyduft und Glücksgefühlen besteht in diesen ersten Wochen, und dass es auch okay ist, wenn man eben mal nicht „perfekt funktioniert“ :)

    Liebe Grüße, Mia

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