Mit Neon auf Wolke 7: Was muss man für’s Fliegen mit Baby wissen sollte, ein Gastartikel von Flugbegleiterin Lisa

3 Monate ist Neon jetzt „schon“ alt. Auch wenn ich Aussagen wie „…über Nacht gewachsen!“ immer belächelt habe, kann ich jetzt selbst mit erstaunten Augen davon sprechen. Die Entwicklung, welche Woche für Woche an Neon zu sehen und zu spüren ist, kommt mir enorm vor und bereits jetzt blicke ich leicht wehmütig auf die allerersten Fotos von meinem Kleinen zurück. „Man, bist du groß geworden!“ Die Zeit mit einem Säugling zieht wirklich wie im Flug an einem vorbei. Und apropos Flug, hat das „größer werden“ ja auch seine Vorteile. 3 Monate, und noch nicht ein Mal das Flugzeug von innen gesehen. Mit uns als Reiseblogger-Eltern wird es daher langsam aber sicher Zeit für den ersten „Testflug“, bevor wir uns als kleine Familie ins Abenteuer Fernreise stützen! Nachdem Neon seine ersten langen Autoreisen in die Schweiz und nach Österreich mit Bravur gemeistert hat, soll es kommende Woche das erste Mal nach Mallorca gehen.

Die kurze Flugdauer und die kurzen Anreisewege zum Flughafen Stuttgart sollen der Anfang einer großen „Flugkarriere“ sein. Das erste Mal steht Neon’s Name auf einer der Bordkarten. Und auch wenn das Fliegen für Thies und mich längst zur Routine geworden ist, schwirren jetzt doch einige unbeantwortete Fragen in meinem Kopf umher. Wer könnte hier besser helfen, als meine Freundin Lisa, die mich nicht nur seit einigen Jahren durchs Leben begleitet, sondern die auch seit mindestens genau so vielen Jahren Flugbegleiterin mit Herz und Seele ist. Lisa verrät heute, was man beim Fliegen mit Baby wissen sollte. Und hiermit übergebe ich das Wort an Lisa.

Gut vorbereitet: 6 Fakten über das Fliegen mit Baby an Bord!

  • Erst ab zwei Jahren brauchen Kinder ihren eigenen Sitz, zahlen aber bis zum Alter von 11 Jahren nur etwa 75 Prozent des regulären Preises. Alle kleineren Travel Buddies können auf dem Schoß der Eltern verreisen und reisen zum Beispiel bei Lufthansa kostenlos auf innerdeutschen Strecken und zu zehn Prozent des Flugpreises auf internationalen Flügen.
  • Auf Langstreckenflügen würde ich es aber jeder Familie ans Herz legen, auch für kleinere Zeitgenossen einen eigenen Sitz zu buchen – das schont die Nerven erheblich! Für diesen zweiten Sitz kann dann ein zugelassenes Rückhaltesystem mitgebracht werden, zum Beispiel also ein Maxicosi, der auf dem Sitz festgeschnallt wird. Alternativ bekommt, wer einen Sitzplatz in der sogenannten „Mutter-Kind-Reihe“ reserviert, von uns während dem Flug für Kinder unter 14 Kilogramm und 83 Zentimetern außerdem ein Babybettchen gebracht.
  • Den Kinderwagen oder Buggy könnt ihr je nach Flughafen bis zum finalen Einsteigen behalten! Das erleichtert das Reisen mit Kind erheblich. Erst an der Flugzeugtür wird euch an den allermeisten Flughäfen der Kinderwagen abgenommen, in den Flugzeugbauch geladen und nach der Landung auch direkt beim Aussteigen wieder übergeben.
  • Auf jedem Flugzeug gibt es mindestens einen Waschraum mit Wickeltisch! Nutzt diesen, bringt aber bitte eine eigene Wickelunterlage mit, die haben wir nicht vor Ort. Wickeln in der Flugzeugkabine ist nicht cool – im absoluten Notfall sind wir und alle anderen Passagiere sicher gerne bereit, euch an den Toiletten Vorrang zu gewähren! Übrigens: Ein paar wenige Notfallwindeln haben wir auch immer an Bord.
  • Die Gepäck-Frage wird mir immer wieder gestellt, daher an dieser Stelle: Kinder bis zum zweiten Lebensjahr haben – je nach Tarif – bei den meisten Airlines ein Gepäckstück bis 23 Kilogramm frei! Informiert euch hierüber aber am besten noch vor der Buchung gezielt bei der Airline, mit der ihr fliegen wollt.
  • Sämtliche Einreiseformalitäten liegen in eurer alleinigen Verantwortung! Das kann mit Kind, zum Beispiel bei unterschiedlichen Nachnamen, etwas komplizierter werden. Zum Fliegen mit Baby gehört daher unbedingt auch die Frage nach Pass & Co.! Besonders wichtig: Kinder können nicht mehr im Pass der Eltern eingetragen werden und brauchen ihren eigenen Reisepass. Auch wenige Monate alte Kinder brauchen sogar ein biometrisches Passfoto!

5 Dinge die ihr beim Fliegen mit Baby beachten solltet

  • Nachtflüge sind die bessere Wahl! Klar, im schlimmsten Fall schläft Mucki überhaupt nicht und ihr schlagt euch die Nacht um die Ohren – aber das seid ihr als Eltern ja ohnehin schon gewohnt, oder? Im besten Falle schläft der Knirps den Flug durch, weil er seinen Schlafrhythmus beibehalten kann.
  • Der Druckausgleich ist für Kleinkinder und vor allem Babies doppelt so fies wie für uns! Kein Wunder, dass die während dem Start oft so schreien. Helft euren Kleinen, indem ihr ihnen Schnuller, Fläschchen oder die Brust anbietet. Das Nuckeln und Saugen macht das Ganze wesentlich erträglicher! (Größeren Kindern könnt ihr Kaugummis oder einen Kaubonbon anbieten.)
  • Wer mit Kindern reist kann bis 24 Stunden vor Abflug ein kostenloses Kindermenü bestellen – die Vorräte an Babynahrung sind begrenzt, daher solltet ihr die Lieblingsnahrung und das Fläschchen eures Babies unbedingt selbst mitbringen. Wir wärmen Gläschen aber gerne für euch auf! Auch Wasser bekommt ihr ausreichend von uns – wir haben auch Wasserboiler für warmes Wasser oder Tee an Bord.
  • Euer Handgepäck ist euer bester Freund! Glaubt mir, hier lohnt es sich wirklich überlegt zu packen. Unbedingt ins Handgepäck gehört beim Fliegen mit Baby: Das Lieblingsspielzeug, und zwar am besten mindestens drei verschiedene Varianten. Ich bin großer Fan von Wimmelbüchern, aber auch etwas zum Vorlesen sollte dabei sein. Warme Socken, warme Kleidung, ein großes Tuch um bei Tagflügen für optische Ruhe und Dunkelheit zu sorgen, falls der kleine Mensch schlafen muss. Lieblingsnahrung, Fläschchen, kleine Snacks, Windeln und gegebenenfalls Medikamente sind selbstverständlich, oder?
  • Bereitet eure Kids auf den Flug vor. Klar, bei Babies kann man noch nicht viel argumentieren, aber größeren Kindern sollte man schon ein paar Tage vor Abflug genau erklären wie der Reisetag ablaufen wird, was sie zu erwarten haben und was man sich von ihnen wünscht. Vermeidet Drohungen, sondern stellt das Fliegen immer als tolles bevorstehendes Ereignis da – fragt aber auch nach, ob die Kids Ängste oder Sorgen haben, und nehmt ihnen diese. Bei klein und groß resultiert Angst oft in unangemessenes Verhalten an Bord – große Geschwister sind wie wir wissen immer das größte Vorbild und haben außerdem einen großen Einfluss auf das Stresslevel bei Babies.

Und nun vielleicht noch ein paar persönliche Worte zum Thema Stress beim Fliegen mit Babies: Regelmäßig sehe ich auf meinen Flügen gestresste Eltern, peinlich berührte Mütter oder wütende Väter, die völlig unter Strom stehen und sich von den abschätzigen, genervten und verständnislosen Blicken oder gar Worten anderer Passagiere das Leben schwer machen lassen. Und deren Stress sich natürlich auf direktem Wege auf ihre Kinder überträgt. Fakt ist: Babies sind Babies. Babies weinen, schreien, zetern nun mal. Das lässt sich nicht abstellen, das haben wir alle getan. Und deshalb müsst ihr euch nicht euren Urlaub verbieten oder vermiesen lassen. Wenn euch ein Mitpassagier blöd kommt, stellt ihn euch einfach in einer Windel vor, wie er da sitzt mit seiner Tageszeitung und den Sportsocken in den Wandersandalen. Ich bin dann die, die euch aus der Galley zuzwinkert und Mut macht. Es wird besser, spätestens beim nächsten Flug.

…sonst noch Fragen? Dann hinterlasst uns doch gerne ein Kommentar unter diesem Artikel. Übrigens, Lisa schreibt nicht nur seit mehreren Jahren auch bei meinem größeren Baby uberding mit, sondern berichtet auch auf ihrem eigenen Blog Helle Flecken über ihre Reisen und das Leben als Flugbegleiterin! Wer sich besonders für diesen Job interessiert, ist bei ihren FAQs zum #lifeofaflightattendant genau richtig.

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