The reluctant father – von einem der erst lernen musste, sein Kind zu lieben

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Die meisten Mütter beschweren sich über die Väter, weil sie keine Windeln wechseln oder selig schlafen, während das Baby nachts schreit.

Was aber, wenn der frischgebackene Papa einfach keine emotionale Bindung zu seinem Nachwuchs aufbauen kann?

Darum geht es in Phillip Toledanos Fotoband „The Reluctant Father“.

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Reluctant – das musste ich ehrlich gesagt erst einmal googlen. „Zurückhaltend, abgeneigt, widerwillig, zögernd, nur ungern“ – diese Übersetzung lieferte mir das digitale Wörterbuch. Eigentlich Wörter, die in unserer Gesellschaft nicht so recht in Verbindung mit „frisch gebackenem Vater“ stehen. Außer man greift vielleicht in irgendwelche Klischeeschubladen, was im Falle von Phillip Toledano aber nicht zutrifft. Bei ihm lief es – eher ganz klassisch – nach folgendem Schema ab:

„Du hast eine Freundin und jeder fragt dich: „Wann heiratet ihr Zwei?“.
Du heiratest.

Du bist verheiratet und jeder fragt dich: „Wann bekommt ihr Zwei Kinder?“
Du bekommst ein Kind.

Du bekommst ein Kind und jeder fragt dich: „Wann bekommt ihr das nächste?“.

Wer kennt diese Fragen nicht? Nur: Toledano wurde nach der Geburt seiner Tochter nicht, wie die meisten frischgebackenen Väter, vom „Tsunami of Love“ begraben, sondern er war eher aufgebracht. Er fühlte sich ersetzt durch ein „Alien“. Er sagt, dass es sich anfühlte, als ob „er versuche, eine Verbindung zu einem Seeschwamm oder einem Einzeller aufzubauen“.

Über diese Gefühle schrieb er einen Blog. Zu Toledanos Erstaunen waren die Reaktionen auf seine Einträge fast uneingeschränkt positiv. Vielleicht, so vermutet er, weil er eben nicht ein körperlich abwesender Vater war, sondern weil ihm einfach der emotionale Part fehlte. Es stellte sich plötzlich heraus, dass es viele Leute gibt, die ähnlich fühlen, sich aber aus kulturellem Druck niemandem anvertrauen.

Welche Eltern kennen sie nicht, die aufgestaute Wut, wenn das Kind nach Stunden immer noch nicht schlafen möchte? Wenn man es, wie Toledano auf seinem Blog schreibt, am liebsten aus dem Fenster werfen möchte?
Ich denke, wir sollten uns immer wieder von dem Bild der perfekten Eltern befreien.
So ein kleines Leben, das völlig abhängig von seinen Eltern ist, stellt eben alles auf den Kopf. Und weil auch Eltern Menschen sind, kann es durchaus passieren, dass es etwas Zeit braucht, bis man sich aneinander gewöhnt.

So erging es übrigens, um euch zu beruhigen, auch Toledano:
Das Ende des Buches unterscheidet sich sehr von der Art, wie der Blog begann: „Auch wenn ich den Beginn ihres Lebens ziemlich befremdlich fand, bin ich sehr froh, dass sie nun hier ist.“

Biler via www.thereluctantfather.com

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